31.10.2023

Sind wir für die nächste Pandemie gewappnet?

Als im Frühjahr 2020 die COVID-19-Pandemie ausbrach, waren viele Länder nicht darauf vorbereitet. Als Lehre aus diesem globalen Gesundheitsnotstand haben viele Regierungen auf nationaler und internationaler Ebene auf die Schwachstellen reagiert. Was hat sich konkret geändert?

Kurz vor der Bundestagswahl 2021 wurde in Berlin ein Hub der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeweiht, der sich mit der Beobachtung von Anzeichen einer künftigen Epi- oder Pandemie beschäftigen soll. Eine Lehre aus der COVID-19-Pandemie ist, dass Gesundheitssysteme weltweit Schwächen hatten und haben. Da die WHO in mehr als 150 Ländern vertreten ist, spricht Deutschland der global agierenden Organisation eine Schlüsselrolle in der Früherkennung und Beobachtung möglicher künftiger Krankheitsausbrüche in Gesellschaften zu – und es hofft, mit dem WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence dazu beizutragen.

Gemeinsam besser vorbereitet sein

Der WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus schlussfolgerte zu den Auswirkungen der Pandemie wie folgt: „[…] die Welt braucht einen deutlichen Fortschritt bei der Datenanalyse, damit die Verantwortlichen fundierte Entscheidungen in der öffentlichen Gesundheit treffen können“. Der WHO-Hub soll daher „pandemische und epidemische Risiken weltweit vorhersagen, verhindern [und] erkennen können“, um auf diese vorbereitet zu sein und auf diese antworten zu können.

Was meint und umfasst pandemic preparedness?

Pandemic preparedness oder Pandemiebereitschaft bezieht sich auf die gesellschaftliche Fähigkeit, mit Pandemieausbrüchen umgehen zu können. Es erfordert eine Zusammenarbeit zwischen Sektoren wie dem medizinischen, ökologischen und sozialen.

Auf europäischer Ebene haben sich verschiedene Akteur:innen zusammengeschlossen, um die pandemic preparedness – zu Deutsch: Pandemiebereitschaft – zu erhöhen. Das europaweite und aus dem EU-finanzierten Horizon Europe-Topf geförderte Projekt BE READY wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) im Namen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt, aber auch von Organisationen wie dem Niederländischen Institut für Öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) sowie weiteren Organisation und Universitäten.

Ziel ist es, die Förderung von Forschung und Innovation auf verschiedenen Ebene besser zu koordinieren: europäisch, national und lokal.

Ziel: Bisherige Rekordzeit übertreffen

Im zweiten Pandemiejahr, also 2021, hat neben der WHO auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seine Bemühungen verstärkt. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ließ das Zentrum für Pandemie-Impfstoffe und -Therapeutika (ZEPAI) in jenem Jahr eröffnen, um das Ministerium in der künftigen Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen und deren Logistik zu unterstützten. Neben dem Aufbau und der Vernetzung nationaler Infrastruktur ist internationale Zusammenarbeit ein weiteres Anliegen der Verantwortlichen.

Mit erhöhten Förderbeträgen bei der Entwicklung und dem Ausbau von Impfstoffen und Produktionskapazitäten sowie dem Übergang zum Rolling-Review-Verfahren bei der Neuzulassung von Arzneimitteln durch die EMA wurden die neuartigen mRNA-Vakzine in Rekordzeit – um die 12 Monate dauerte es – vom Reißbrett in die Oberarme von Millionen von Menschen gebracht. Und mithilfe sogenannter Pandemiebereitschaftsverträge erfüllte die bis Ende März 2022 eingesetzte Taskforce Impfstoffproduktion gemeinsam mit fünf Pharmaunternehmen ihr Mandat, die Versorgung mit Impfstoffen gegen COVID-19 innerhalb von drei Monaten sicherzustellen.

Ohne essentielle Fortschritte bei der Etablierung von Datenanalysekapazitäten auf unterschiedlichen Ebenen und der Zusammenarbeit auf internationaler Ebene wird der Grad der pandemic preparedness niedriger ausfallen als erforderlich. Durch den menschengemachten Klimawandel sind Zoonosen, also von der Tier- auf die Menschenwelt übertragene Krankheiten wie COVID-19, wahrscheinlicher geworden. Gleichzeitig muss dies nicht bedeuten, dass eine nächste Pandemie uns wieder bitter überrascht. Wir müssen unsere Vorbereitungen nur weiterhin forcieren, damit wir für die nächste Pandemie wirklich besser gewappnet sind.

tl;dr – In Kürze:

  • Die COVID-19-Pandemie hat die Schwachstellen von Gesundheitssystemen offengelegt.
  • National und international sind Maßnahmen zur verbesserten Reaktionsfähigkeit auf Pandemie und Epidemien in Gang gesetzt worden.
  • Datenanalyse kann die Pandemiebereitschaft erhöhen.

 

Weiterführende Literatur:

  • BE READY (2022) European partnership for pandemic preparedness. Abgerufen von: LINK

  • Ellyatt, H. (2021) WHO to open a global pandemic ‘intelligence’ hub in Germany. CNBC. Abgerufen von: LINK

  • ZonMw (2023). Pandemic preparedness. Abgerufen von: LINK

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