20.09.2023

(R)Evolution?:
Internet of Medical Things (IoMT) treibt Wandel voran

Zur Digitalisierung des Gesundheitswesens trägt das Internet of Medical Things (IoMT) bei – zu Deutsch: das Internet der medizinischen Dinge. Welche Elemente das IoMT umfasst und ob es eher für eine Evolution oder mehr für eine Revolution steht, beleuchtet dieses Spotlight.

Eine kleine Bemerkung vorab: Das sich ständig weiterentwickelnde Feld des Internets der Dinge, gerade auch im Gesundheitssektor, ist so umfangreich, dass dieses Spotlight lediglich einen ersten Über- und kleinen Einblick bieten kann. Technologisch gesehen kann eine Menge an Informationen als Datenmenge bezeichnet werden. Und es sind genau diese Daten, die einen zentralen Angelpunkt in der (R)Evolution des Internet of Things (IoT) darstellen. Die täglich produzierte Datenmenge eines durchschnittlichen Krankenhauses (in den USA) wird auf 137 Terabyte beziehungsweise 137.000 Gigabyte geschätzt. Diese unvorstellbare Menge an Informationen kommt unter anderem aus der Datensammlung von medizinischen Geräten, elektronischen Patientenakten, genomischen Daten und ebenfalls auch selbst gesammelten elektronischen Informationen über mobile Endgeräte zusammen.

Die „Vierte Industrielle Revolution“

Nach drei Industriellen Revolutionen – 1. Mechanische Produktion (Dampfmaschine und mehr), 2. Massenproduktion (Fließband und mehr), und 3. Digitalisierung (Elektronik und mehr) – entwickelte Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums, die Bezeichnung der „Vierten Industriellen Revolution“, die gerne auch als Industrie 4.0 bezeichnet wird. Geprägt wird sie von Technologien wie .Künstlicher Intelligenz (KI), Genom-Editierung und weiteren, die die Grenzen zwischen dem Biologischen und Digitalen verschwimmen lassen können.

Der Arzt, Forscher und Autor Eric Topol nahm diese Idee auf und verortete den Stand der Medizin in der Phase der Dritten Industriellen Revolution, die nach der Jahrtausendwende in die angedachte neue Phase der Revolutionen überging. Wie kann es also sein, dass wir mit den Technologien des 21. Jahrhunderts weiterhin Medizin machen, die das vergangene Jahrhundert geprägt hat? In seinem Buch Deep Medicine beschreibt Topol die Problematik einer „oberflächlichen Medizin“ und sieht eine zentrale Rolle der KI in der Organisation von „Big Data“, also größter Datenmengen, die oft unkategorisiert gesammelt werden (müssen).

Was macht das IoMT besonders?

Als Teilbereich des Internet of Things (IoT) beschreibt das IoMT dezidiert die Vernetzung von Geräten und Anwendungen, die medizinischen Zwecken dienen. Anwendung finden können diese beispielsweise bei der Überwachung von Medikamentenbeständen sowie der Vitalwerte von Patient:innen. Die Idee der Automatisierung aus Phase Drei der Industriellen Revolutionen kann, so die Idee, mit KI und Maschinellem Lernen (ML) insbesondere dafür sorgen, dass große Datenmengen verarbeitet werden können – mit Mehrwert für Ärzt:innen und Patient:innen.

Ein besonderer Stellenwert wird dem IoMT zugemessen, weil es Patient:innendaten in Echtzeit verfolgen und auswerten kann. Weitverbreitete Technologien wie WLAN und Bluetooth sorgen bereits heute dafür, dass smarte Uhren (eigentlich Minicomputer mit Zeitanzeige am Handgelenk) und Smartphones miteinander kommunizieren und Daten aufzeichnen sowie organisieren können. Da die großen Unternehmen aus dem US-amerikanischen Silicon Valley zunehmend auf den Gesundheitsmarkt strömen, haben diese bereits auch Möglichkeiten etabliert, eigens gesammelte Daten mit medizinischem Personal zu teilen – zumindest in Teilen der USA. Der Patient:innenzentrierung dient diese Entwicklung aber allemal.

Was meint Internet of Medical Things (IoMT)?

Das Internet der medizinischen Dinge oder IoT im Gesundheitswesen bezeichnet miteinander verbundene und/oder kommunizierende Geräte und Anwendungen, die unter anderem zur Fernüberwachung von Patient:innen eingesetzt werden können.

Evolution oder Revolution?

Doch ist diese Entwicklung nun eine kontinuierliche Entwicklung oder ein schlagartiger Paradigmenwechsel? Eine eindeutige Antwort mag ich nicht formulieren, aber wie Daniel Kahnemann bereits in seinem Werk Thinking Fast and Slow beschrieb, tendieren wir Menschen dazu, von geradlinigen Entwicklungen auszugehen, auch bei der Entwicklung von Technologien.

Doch zeigen uns die rasanten Fortschritte nicht nur bei der Weiterentwicklung von Computerchips sondern auch von KI-Sprachmodellen und anderen digitalen Technologien, dass wir die schnelle Entwicklung des IoMTs nicht verschlafen sollten. Gesellschaft, Politik und Industrie müssen gerade in diesem Bereich in engstem Kontakt miteinander stehen, damit die mögliche „Vierte Industrielle Revolution“ auch bei allen Menschen ankommen kann.

tl;dr – In Kürze:

  • Alltäglich produzieren alleine Krankenhäuser unglaublich große Datenmenge.
  • Das Internet of Medical Things (IoMT) kann diese Daten sammeln und analysieren.
  • Das IoMT kann zur Patient:innenzentrierung beitragen.

Weiterführende Literatur:

  • Eastwood, B. (2023) How to Navigate Structured and Unstructured Data as a Healthcare Organization. Abgerufen von: LINK

  • Delera, M. & Lavopa, A. (2021) What is the Fourth Industrial Revolution? Abgerufen von: LINK

  • Ziebolz, N. (2022) Was ist das Internet of Medical Things (IoMT)? Abgerufen von: LINK

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