02.02.2024

Queersensibilität: Teilweise (un)sichtbar im deutschen Gesundheitswesen

Der Themenkomplex eines inklusiveren deutschen Gesundheitswesens hat in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit erlangt – und auch Fortschritte gemacht. Doch auch weiterhin werden die Bedürfnisse queerer Patient:innengruppen in der akutstationären Gesundheitsversorgung nicht immer flächendeckend berücksichtigt. Eine der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen ist das fehlende Wissen über trans, inter und nicht-binäre (tin) Personen – das betrifft eine halbe Million Menschen, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti). Infolgedessen kann dies zu (unbewusster) Diskriminierung und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit dieser Menschen führen; in vielen medizinischen Einrichtungen wird beispielsweise weiterhin ein elektronisches System mit binären Geschlechtseinträgen genutzt. Das wiederum macht Teile der Bevölkerung unsichtbar. US-Psychiater und Epidemiologe Ilan Meyer hat in diesem Zusammenhang ein Modell des sogenannten Minority Stress entwickelt.

Dieses Modell beschreibt den negativen Einfluss von sozialen Stressfaktoren wie Vorurteilen und Stigmatisierungen auf die Gesundheit von queeren Personen. Zahlreiche Studien weisen unter anderem auf erhöhte Risiken für Angststörungen und Depression hin. Es wird weiterhin argumentiert, dass eine Verbesserung der Queersensibilität im Gesundheitswesen zu niedrigerem sozialen Stress und besseren Behandlungserfolgen führen kann. Zur Erfassung der Weiterentwicklung institutioneller Rahmenbedingungen haben Forschende in Deutschland im vergangenen Dezember das Instrument eines QueerChecks erdacht. Neben der Anpassung der IT-Infrastruktur gehören, der queersensiblen Checkliste zufolge, auch Schulungen für das breitgefächerte Personal in Gesundheitseinrichtungen und die Bereitstellung von zielgerichtetem Informationsmaterial dazu. International ist Deutschland mit der Möglichkeit eines nicht-binären Eintrags im Personenstandsregister einer der Vorreiter.

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