05.03.2024

Prävention ist die beste Medizin

Statt bloß auf bereits bestehende Krankheiten reagieren zu müssen, sollten wir den Trend der stärkeren Gesundheitsförderung fortsetzen. Proaktiv statt reaktiv zu sein, hat viele Vorteile – aber nicht nur Einzelne sind gefragt, die Gesellschaft ist es auch.

„Prävention und Gesundheitsförderung sind zentrale Instrumente, um Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen oder zumindest abzumildern“, sagte Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, im vergangenen Jahr bei der Vorstellung des sogenannten Präventionsberichts. Im Vergleich zum Vorjahr 2021 stiegen die Ausgaben für Prävention und Gesundheitsförderung im Berichtsjahr 2022 demnach um etwa acht Prozent an. Mit 584 Millionen Euro – das wären knapp 8 Euro jede Versicherte:r – habe man direkt 12,4 Millionen Menschen erreichen können.

Mehr Grün, mehr mentales Wohlbefinden?

Dass sich der Trend bei den Ausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hin zu mehr Mitteln in gesundheitliche Prävention bewegt, ist ein gutes Zeichen. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass die Entwicklung von Krankheiten, die Pathogenese, sich beeinflussen lässt – wenn nicht gar verhindern. Hier beschreibe ich zwar einen individualistischen Ansatz, wie es im ersten Augenblick erscheinen mag, doch einen Menschen können wir nicht losgelöst von seiner Umwelt betrachten – sei es die natürliche oder die soziale.

In einer im Februar veröffentlichten Studie legen Forschende die positive Korrelation von städtischem Grün und mentaler Gesundheit dar. Ihr berechneter NatureScore, wie die Autor:innen ihren numerischen Indikator für verschiedene Grünflächen nennen, wirkt sich, wenn er höher ist, positiv auf Krankheitsbilder wie Angststörung, Depressionen und Bipolarität aus.

Was bedeutet Salutogenese?

Wörtlich übersetzt bezeichnet Begriff Salutogenese die Entstehung der Gesundheit. Als komplementärer Begriff zur Pathogenese, also der Krankheitsentwicklung, können dynamische Wechselwirkung der Umwelt die Gesundheit eines Organismus entstehen lassen und fördern.

Mit Präventionen Krankheiten vorbeugen

Auch wenn diese Beobachtungen korrelativer Natur sind – das Studiendesign lässt keine Aussagen über (vermutete) kausale Zusammenhänge dar –, so schlägt sie doch in die Kerbe eines sich zunehmend vollziehenden Paradigmenwechsels aus, dem des stärkeren Fokus auf die Gesundheitsförderung. Als Gegenbegriff zur Pathogenese prägte der US-amerikanisch-israelische Gesundheitswissenschaftler Aaron Antonovsky das Modell der Salutogenese als die Entstehung von Gesundheit. Trotz existierender Risiken würde Prävention die Gesundheit demnach fördern können und der Einfluss jener minimiert werden können. Mit Pathogenese und Salutogenese als Begriffe an imaginären Polen ist also eine Bewegung auf einem Kontinuum zwischen diesen durchaus denkbar.

Antonovsky vertiefte sein Modell mit der Idee dreier großer Einflussfaktoren, die eine Gesundheitsgefährdung darstellen könnten. Auf biologischer Ebene seien das Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze, auf chemischer Ebene Giftstoffe. Und auch psychosoziale Faktoren wie Leistungsdruck und Einsamkeit bezeichnete der Wissenschaftler als Stressfaktoren.

Umgekehrt bedeutet dies, dass die Gesellschaft und ihre zahlreichen Institutionen – sollte das Ziel der Gesundheitsförderung allgemeiner Konsens sein – daran arbeiten sollte, die natürliche Umwelt so wenig wie möglich zu belasten, wohltuende und gesundheitsfördernde Räume wie Grünflächen zu schaffen und auszubauen und auf sozialer Ebene auch Veränderungen zulassen sollte. Wer einmal krank ist, weiß die Gesundheit umso mehr zu schätzen. Schätzen wir sie auch und lassen sie gar nicht erst entstehen.

There is glory in prevention!

 

tl;dr – In Kürze:

  • Die GKV-Ausgaben für Prävention stiegen in 2022.
  • Eine Studie zeigt eine Korrelation von einer besseren mentalen Gesundheit und dem Vorhandensein von Grünflächen. 
  • Zwischen Gesundheit und Krankheit ist ein Spektrum denkbar.

Autor: Nico Amiri, Assistenz der Geschäftsführung von Unboxing Healthcare

Weiterführende Informationen:

  • Alexander, S., Antwerpes, F. Blaschke, J., Kinder, J.-L. & Prinz, D. (2018) Salutogenese. DocCheck Flexikon. Abgerufen von: LINK

  • Kash, B.A., Maddock, J.E., Makram, I.M. & Pan, A. (2024) Nature and Mental Health in Urban Texas: A NatureScore-Based Study. Int. J. Environ. Res. Public Health. Abgerufen von: LINK

  • Medizinischer Dienst Bund & GKV-Spitzenverband (2033) Präventionsbericht 2023 – Berichtsjahr 2022. Abgerufen von: LINK

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