16.08.2023

Meine Erfahrungen mit der ePA: Gut, aber ausbaufähig

Die elektronische Patientenakte (ePA) soll uns das Leben erleichtern. Würde sie in der Breite genutzt werden, könnten viele Akteur:innen von der Entwicklung profitieren. Patient:innen würden ihre eigenen Informationen zentral und sicher einsehen können, und Ärzt:innen könnten Doppeluntersuchungen vermeiden. Ich habe die ePA getestet: Welchen Mehrwert bringt sie Mitte 2023 für mich?

Hierzulande ist die Digitalisierung, besonders auch im Gesundheitswesen, nicht so weit fortgeschritten wie in europäischen Nachbarländern. In Deutschland wird die elektronische Patientenakte (ePA) nun endlich ab dem übernächsten Jahr Pflicht für jede:n – es sei denn, Patient:innen widersprechen der Nutzung ausdrücklich. Mit der Opt-out oder auch Widerspruchslösung möchte Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) gesetzlich für einen Schub bei der digitalen Transformation des deutschen Gesundheitssystems sorgen.

Aus meiner Patientensicht begrüße ich dieses Vorhaben. Und als experimentierfreudiger Digital Native – jemand, der mit Technik groß geworden ist – habe ich die ePA und deren Apps in einer gewissen Frühphase getestet. Denn mit der Akzeptanz und Nutzung im Klinik- und Praxisalltag stehen und fallen die tatsächlichen Anwendungsfälle. Wichtig sind mir vor allem Komfort, Funktionsumfang, Mehrwert und praktische Anwendungsmöglichkeiten.

Was kann eine elektronische Patientenakte (ePA)? 

Es lassen sich verschiedene Dokumententypen in die App einpflegen. Damit ist es bislang möglich, Befunde, Diagnosen und neben Laborwerten auch weitere Dokumente zur medizinischen Geschichte dort zu hinterlegen. Auch Daten aus Fitness- und Gesundheitsapps können importiert werden. Ärzt:innen haben darüber hinaus die Möglichkeit, beispielsweise Therapiepläne, Entlassungsberichte und einen elektronischen Medikationsplan einzupflegen.

 

Ready, Set, Go

Über die Seite der gematik lade ich mir die Apps für all meine Geräte – aufs Smartphone, aufs Tablet und den Desktop. Die breite Unterstützung von Betriebssystemen durch die Gesetzlichen Krankenkasse ist erstmal eine positive Überraschung. Von einer diversen Versichertenschaft finanzierte Institutionen müssen eben auch sicherstellen, dass jede:r Nutzer:in auf die eigenen Daten zugreifen kann – von überall.

Zur Einrichtung der ePA auf dem Smartphone wird eine Authentifizierung vorausgesetzt. Da ich einen Personalausweis mit Onlineausweisfunktion nutzen kann, ist die Registrierung relativ einfach. Ist die ePA erst einmal in der App angelegt, lässt sich jede weitere Anmeldung entweder mit einer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) oder biometrisch (durch Fingerabdruck oder das Gesicht) tätigen. Da mein Gerät letztere Technik unterstützt, ist der Log-in sicher und komfortabel.

Ist da wer?

Bislang soll sich etwa nur ein Prozent der gesetzlich Versicherten eine ePA-App ihrer Krankenkasse geladen haben. Bei dieser niedrigen Adaptionsquote ist es nicht verwunderlich, dass nur wenige Praxen Untersuchungsergebnisse auch wirklich in der ePA hinterlegen. Die Praxen meines Hausarztes und meiner Zahnärztin haben bislang noch keine einzige Akte digital gefüllt, teilen sie mir mit. So komfortabel der Zugriff auf meinem Smartphone auch ist, bringt er Mitte 2023 bislang leider nur wenig, wenn ich die App und die Dienstleistungen nicht auch tatsächlich nutzen kann.

Vielleicht sieht es im Frühjahr 2025 dann anders aus, wenn alle Versicherten, die bis dahin nicht widersprochen haben, eine ePA eingerichtet bekommen haben. Wie in dem Demobeispiel zu sehen ist, kann die ePA als ein zentraler Hub oder Knotenpunkt für Dokumente verschiedenster Art dienen. Der bisherige Funktionsumfang hat, meiner Meinung nach, bereits eine gute Grundlage geschaffen:

Außer Rechnungen können Ärzt:innen dort beispielsweise Röntgenbilder einstellen, auf die ich bei einem Praxiswechsel auch andere Personen Zugriff gestatte. Mein eigenes Blutdrucktagebuch würde vor einer nächsten Untersuchung Rückschlüsse auf die Entwicklung in diesem Rahmen zulassen. All diese Überlegungen sind hypothetisch; den tatsächlichen Mehrwert würde ich also wohl erst in einigen Monaten oder Jahren erfahren, wenn die Nutzungszahlen und Anwendungsfälle stark zunähmen.

Bildschirmfoto der Demoversion einer ePA-Desktopapp.

Wachstumsschmerzen …

Über die Smartphoneapp frage ich testweise eine Übersicht bisher erhaltener Leistungen an. Eine Antwort erhielt ich überraschend schnell; und das Dokument hinterlegt meine Krankenkasse in meiner ePA. Doch nach dem jüngsten Update der App führt jeder Klick auf das Dokument zum Absturz. Auf Rückfrage beim ePA-Support Anfang August bestätigt dieser ein technisches Problem – so weit, so gut? Zum Glück liegt es nicht an meinem eigenen Gerät, immerhin. Eine Behebung des Problems stellt der Support auch in Aussicht, doch erst für Mitte August. Ich schätze schnellen und guten Support, aber ebenso schätze ich schnelle und gute Bugfixes, also technische Fehlerbehebungen.

Auf eine weitere Serviceanfrage erhalte ich auch eine schnelle Antwort. Für jede Anmeldung in der ePA-Desktopapp kann ich bislang nicht auf biometrische Erkennung setzen. Dort ist der Einsatz der eGK mit NFC-Funktion verpflichtend. Nicht diese ist das Problem, aber die Tatsache, dass ich kein Kartenlesegerät besitze. Die Antwort nach der barrierereicheren Anmeldung lautet, dass eine einfachere Anmeldeoption in Arbeit sei. Es ist also noch Luft nach oben – das sehe ich so, und das sieht meine Krankenkasse ebenfalls.

Fazit

★★★☆☆

Mit meiner Benutzererfahrung kann ich ePA und ePA-Apps nach heutigem Stand leider nur drei Sterne verleihen. Mich sprechen die Benutzer:innenoberflächen an, gerade am Desktop wirkt sie recht übersichtlich. Und auch bei den Anwendungsmöglichkeiten zeigt die Demoversion bereits, welchen Mehrwert die elektronische Form der Patient:inneninformation bereits haben kann. Doch führen technische Probleme und die niedrigen Nutzungszahlen dazu, dass die Idee bisher vor allem in der Theorie eine gute ist. 

Meine Bewertung liegt tatsächlich über dem Durchschnitt der Bewertungen für die ePA-Apps der meisten Krankenkassen; oft sah ich Bewertungen um die zwei von fünf Sternen. Wenn das Nutzungserlebnis weiter steigt, werden mehr Versicherte den Service auch gerne nutzen – das ist meine Hoffnung.

tl;dr – In Kürze:

  • Eine Vielzahl von Betriebssystemen wird unterstützt, die Registrierung war einfach für mich.
  • Technische Probleme plagen die mobilen Apps von Zeit zu Zeit.
  • Die Nutzungszahlen liegen bislang im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Weiterführende Literatur:

  • gematik (2023) Die ePA-App – Die Angebote der gesetzlichen Krankenkassen. Abgerufen von: LINK

  • Verbraucherzentrale (2023) Elektronische Patientenakte (ePA): Ihre digitale Gesundheitsakte. Abgerufen von: LINK

 

Interesse geweckt?

In unserem Magazin findest du weitere, spannende Artikel!

Unsere Gründungspartner

Consent Management Platform von Real Cookie Banner