30.01.2024

Medizinische Unterversorgung sollte nicht zum Landleben gehören müssen

Insbesondere auf dem Land steht die medizinische Versorgung vor großen Herausforderungen. Über diese und mögliche Lösungsansätze geht es in diesem Spotlight.

Der demographische Wandel hat bekanntes Auswirkungen und wirkt zusätzlich wie ein Brennglas: Der bereits bestehende Mangel an Ärzt:innen auf dem Land verschärft sich dadurch, dass viele Praxen keine Nachfolger:innen mehr finden. So ist, den Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) zufolge, beispielsweise in Schleswig-Holstein jede:r dritte Praxisinhaber:in 60 Jahre oder älter – der Ruhestand ruft also (relativ) zeitnah.

Herausforderungen gibt es viele, kreative Ideen auch

Um angehende Mediziner:innen anzusprechen, versuchen Krankenhäuser vermehrt bei regionalen Abiturient:innen und Studierenden zu werben. Der Gedanke ist, dass das Verbleiben im ländlichen Ort attraktiver gestaltet werden soll als die Abwanderung in Ballungszentren. Neben kommunalen Akteur:innen haben sich auch Bundesländer und Kassenärztliche Vereinigungen eine Reihe an Lösungsansätzen überlegt: Gemeinsam mit den Krankenkassen bezuschusst die KVSH eine im Bundesland durchgeführte Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin mit 5.000 Euro monatlich. Und eine Vergabe von Stipendien in Sachsen und Niedersachsen zum Beispiel soll die Niederlassung auf dem Land finanziell attraktiver gestalten. Im zuletzt genannten Bundesland ist die Förderung an eine Entscheidung für einen Ort mit unter 100.000 Einwohnern gebunden.

Die einzigen Herausforderungen sind die möglichen Schließungen von Praxen auf dem Land aber nicht: In peripheren ländlichen Regionen mit niedriger Bevölkerungsdichte sind auch weniger Gesundheitseinrichtungen vorhanden als in Ballungszentren. Die ländlich geringere Bevölkerungsdichte hat zur Folge, dass die Einzugsbereiche der medizinischen Leistungserbringenden wie Krankenhäuser groß genug sein müssen, um kostendeckend wirtschaften zu können. In der Folge gibt es weniger ländlich gelegene Krankenhäuser und damit längere Anfahrtswege für die Patient:innen. Dazu sind auch spezialisierte Versorgungsleistungen in ländlichen Regionen seltener oder gar nicht vorhanden.

Sogenannte Gesundheitsnetze können einen starken Beitrag zur Lösung leisten. Seit Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes (GKV-VStrG) können Kommunen in begründeten Ausnahmefällen eigene Gesundheitseinrichtungen gründen, um bestehende Akteur:innen besser vernetzen zu können. Besonders bei knappen medizinischen Ressourcen kann der Aufbau neuer Versorgungsformen durch Netzwerke entlastend wirken und die Gesundheitsversorgung möglicherweise verbessern.

Was unter „gleichwertigen Lebensverhältnisse“ verstanden wird

Die Bevölkerung misst qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung eine große Bedeutung zu. Unter „gleichwertigen Lebensverhältnissen” wird daher auch eine (annähernd) gleichwertige Gesundheitsversorgung verstanden.

Die medizinische Versorgung auf dem Land in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen, aber es gibt auch innovative Lösungsansätze. Es hat eine hohe Priorität, dass diese Herausforderungen angegangen werden, um sicherzustellen, dass alle Bürger:innen Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung haben – unabhängig davon, wo sie leben.

tl;dr – In Kürze:

  • Die medizinische Versorgung auf dem Land in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen, einschließlich des Mangels an Ärzt:innen und der Schließung von Praxen, auch der Abwanderung von Fachkräften in städtische Gebiete.
  • Es gibt verschiedene innovative Lösungsansätze: die Förderung der Weiterbildung in Allgemeinmedizin, die Vergabe von Stipendien und weitere Ideen.
  • Unter „gleichwertigen Lebensverhältnissen“ wird auch eine (annähernd) gleichwertige Gesundheitsversorgung verstanden, was die hohe Priorität unterstreicht, die genannten Herausforderungen anzugehen.

Autor: Nico Amiri, Assistenz der Geschäftsführung von Unboxing Healthcare

Weiterführende Literatur:

  • Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (2016) Gesundheitsregionen plus – Konzept. Abgerufen von: LINK
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) (n.d) Landarzt? Lass dich fördern! Abgerufen von: LINK
  • van der Beek, K. (2023) Landärzte in SH: Suche nach Nachfolgern wird noch schwieriger. NDR. Abgerufen von: LINK

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