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Essentials

Peter Laaks

Redaktion

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Kolumne

Lohmanns Konzept: Modernität importieren!

„Deutschland hat das beste Gesundheitssystem der Welt!“ Wie oft habe ich diesen Spruch, mit Inbrunst vorgetragen, nicht schon gehört. Ja, es gibt natürlich auch Gesundheitsangebote, die sind spitze. Und dass alle Bürger umfängliche Leistungen erwarten können, auch dann, wenn sie sich diese nicht selber leisten können, kann sich sehen lassen. Aber alles in allem hält die gebetsmühlenartig vorgetragene Bewertung des Systems einem Realitätstest nicht stand.

Aktuell „klappert“ es an allen Ecken und Enden. Deutschland hat an etlichen Stellen den Anschluss an moderne Konzepte und Lösungen verpasst. Zu lange haben wir uns auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht. Selbstgefälligkeit ist immer gefährlich, in Zeiten des radikalen Umbruchs ganz besonders. Deshalb ist jetzt Eile geboten. Da hilft häufig ein Blick über die Grenzen des eigenen Landes hinaus. Nicht, dass anderswo alles „in Butter“ wäre, aber hier und da eine Anleihe zu nehmen, ist dann doch ratsam. Das gilt für den Grad der Digitalisierung genauso wie beispielsweise für die Aufhebung der Trennung zwischen der ambulanten und der stationären Medizin.

„Der Patient steht im Mittelpunkt! Diese Behauptung hält sich hartnäckig in der öffentlichen Diskussion. Die Realität gibt sie nicht wieder“

Niemand ist gezwungen, das deutsche Gesundheitssystem mit dem in irgendeinem exotischen Land zu vergleichen. Es reicht schon, sich hier bei uns in Europa umzuschauen, wo die Lebensverhältnisse, wie etwa die Demografie, viele Ähnlichkeiten aufweisen. Wir müssen nicht alles selbst erfinden oder mit deutscher Gründlichkeit in ein weiteres Bürokratiemonster verwandeln. Wenn es ein Thema gibt, bei dem wir uns mit Beharrlichkeit ins Abseits manövriert haben, dann ist es die Pflege. Seit vielen, vielen Jahren machen uns diverse Nachbarländer vor, was hier zu tun wäre, um eine mit großer Geschwindigkeit auf uns zurasende Katastrophe abzuwenden. Wir leisten uns hingegen endlose Debatten und versuchen, wie so oft, die Probleme mit Geld „zuzukleistern“. So kommen wir nicht weiter. Wir müssen vielmehr die Modernität, da, wo es irgend möglich ist, wie zum Beispiel in der Pflege, schlicht importieren.

Prof. Heinz Lohmann

Professor Heinz Lohmann | Geschäftsführer LOHMANN konzept GmbH | LinkedIn | Foto: Falk von Traubenberg

Die moderne Medizin, die es ermöglicht, auch komplexe Therapien mehr und mehr ambulant anzubieten, macht einen strukturellen Systemwandel unumgänglich. Die alte Trennung zwischen Schwerkranken, die im Krankenhaus, und Leichtkranken, die in den Praxen behandelt werden, gilt schon längst nicht mehr. Folglich muss die Struktur der Versorgung und verbunden damit die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe neu geordnet werden. Insbesondere die Pflege gilt es, zeitgemäß aufzustellen und dabei Erfahrungen in anderen Ländern Europas zu nutzen. Die antiquierte Regel, Ärzte entscheiden, Pflegekräfte führen aus, muss gestuften Entscheidungsbefugnissen von Servicepflegerinnen und -pflegern bis zu Therapiepflegerinnen und -pflegern weichen. Pflege ist eben nicht gleich Pflege, sondern je nach Behandlungsbedarf ausdifferenziert. Deshalb benötigen wir künftig auch nicht durchgängig Absolventen pflegerischer Studiengänge, sondern diversifizierte Berufszugänge. Entscheidungsbefugnisse und -kompetenzen in Einklang zu bringen, wie es anderswo längst üblich ist, ist das Gebot der Stunde. Wer hinten dran ist, braucht weniger Kreativität, aber doch Mut zum Handeln. „Alte Zöpfe“ müssen rasch abgeschnitten werden. Neue Ziele erfordern beherztes Handeln. Pflegende, die entscheiden und dann auch verantworten sollen, können jede Unterstützung, die möglich ist, erwarten. So müssen sie beispielsweise zügig in das Wissensmanagement, das bei den Ärzten jetzt endlich selbstverständlich wird, einbezogen werden. Die Angebote gibt es, sie zu nutzen, ist die Mühe aller Verantwortlichen wert. Der Wandel ist überfällig. Die Zeit der Ausreden ist abgelaufen.

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