23.01.2024

Einwanderung ist essentiell gegen den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen

Eine umfassend versorgendes und resilientes Gesundheitswesen der Zukunft – oder auch Future Healthcare – ist ohne Fachkräfte, wo auch immer sie Wurzeln haben mögen, nicht realisierbar. In einer pluralen Gesellschaft wie der unseren ist die Idee, neues Personal aus dem Ausland anzuwerben, eine naheliegende.

Im deutschen Gesundheitssystem waren Ende 2022 mehr als 420.000 Ärzt:innen berufstätig: Rund 130.000 Menschen in dieser Berufsgruppe haben einen Migrationshintergrund (wir berichteten). Darauf hinzuweisen, ist relevant, unter anderem weil Einwanderung schon immer Teil dieser Republik ist und auch mit Hinblick auf den Fachkräftemangel, den das Gesundheitssystem vor große Herausforderung stellt und – in einer verschärften Form – noch weiter stellen wird. Bis 2035, so rechnen Forschende in einer PwC-Studie vor, werden rund 1,8 Millionen offene Stellen im Gesundheitswesen nicht mehr besetzt werden können.

Die Breite von Politik und Wirtschaft möchten Fachkräfte werben

Mit dem sogenannten Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG), das im November des vergangenen Jahres in Kraft trat, beabsichtigt die Bundesregierung, Hürden zum Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu senken. Durch eine von den USA inspirierte Blue Card gibt es einen EU-weit gültigen Aufenthaltstitel über einen Zeitraum von vier Jahren. Und das Inkrafttreten des Gesetzes erlaubt es nun, dass eine Person mit zwei Jahren Berufserfahrung und einem im Herkunftsland staatlich anerkannten Berufsabschluss nun als Arbeitskraft einwandern kann – mit dem entfallenden deutschen Anerkennungsverfahren für jenen Abschluss soll Bürokratie vermindert werden und der Einstieg in den Arbeitsmarkt schneller erfolgen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) betonte, dass das FEG dafür stehe, dass Deutschland „qualifizierte Zuwanderung nicht nur hinnimmt, sondern auch will“.

Eine erstarkende extreme Rechte wird als Standortrisiko gesehen

Einer erstarkenden politischen Akteurin sind diese Weltoffenheit und Vielfalt aber ein Dorn im Auge.

Ein jüngster Bericht des Recherchenetzwerks CORRECTIVs klärte über im Geheimen besprochene massenhafte Abschiebungspläne auf; an dem Treffen nahmen Mitglieder der Partei AfD und anderer völkisch-nationalistischer Kräfte teil. Bei vielen Menschen – mit oder ohne deutschen Pass, mit oder ohne Migrationshintergrund – haben diese an die Öffentlichkeit getretenen Nachrichten für Verunsicherung gesorgt.

Die wachsende Stärke der AfD, von der einige Landesverbände durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden sind, und ihre einwanderungsfeindliche Ausrichtung werden zunehmend als wirtschaftliches Standortrisiko wahrgenommen. Wirtschaftsakteur:innen äußern zunehmend Bedenken und positionieren sich gegen die Partei und ihre Ideologie.

Ein Puzzleteil von vielen

Dem Fachkräftemangel lässt es sich natürlich nicht nur alleine durch Einwanderung entgegensteuern, sondern es bedarf auch durchdachter Strategie für konsequenten Bürokratieabbau sowie weiterer Digitalisierung und, perspektivisch, auch Automatisierungen mithilfe von KI (wir berichteten). Und eine plurale und offene Gesellschaft wie die deutsche muss die Folgen des demographischen Wandels bedenken, sich seiner Tradition als Einwanderungsland bewusst sein und sich dem Rechtsextremismus entgegenstellen. Dieser betrifft nämlich zwangsläufig jeden Wirtschaftszweig und vor allem auch die Menschen darin.

tl;dr – In Kürze:

  • Einwanderung ist zwar nicht der einzige, aber ein essentieller Baustein gegen den Fachkräftemangel und seine Verschärfung.
  • Das Erstarken von als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD-Landesverbänden wird in den betroffenen Bundesländern vermehrt als wirtschaftliches Standortrisiko beschrieben.
  • Nach der Veröffentlichung von Recherchen über Besprechungen der Massenausweisungen von Einwanderern und Deutschen mit Migrationshintergrund positionieren sich wirtschaftliche Akteure zunehmend gegen Rechtsextremismus.

Autor: Nico Amiri, Assistenz der Geschäftsführung von Unboxing Healthcare

Weiterführende Literatur:

  • Bensmann, M., von Daniels, J, Dowideit, A., Keller, G. & Peters, J. (2024) Neue Rechte – Geheimplan gegen Deutschland. CORRECTIV. Abgerufen von: LINK
  • Die Bundesregierung (2023) Fachkräfteeinwanderungsgesetz – Neue Wege zur Fachkräftegewinnung. Abgerufen von: LINK
  • Goffart, D. (2023) Standortrisiko AfD. WirtschaftsWoche. Abgerufen von: LINK 
  • PwC Deutschland (2022) Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen 2022. Abgerufen von: LINK
  • statista (2023) Gesamtzahl der Ärzte in Deutschland im Zeitraum von 1990 bis 2022. Abgerufen von: LINK

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