Dass die COVID-19-Pandemie eine Zäsur in vielerlei Hinsicht war, ist nicht neu; dass es ein Gefälle in der Nutzung digitaler Technologien gibt, ist es auch nicht. Doch legt ein Bericht der WHO für Europa offen, dass Millionen Menschen nicht ausreichend Kenntnisse haben, Gesundheitsversorgung auch digital wahrzunehmen.

Der Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den Namen „Digitale Gesundheit in der Europäischen Region: der lange Weg zu Verpflichtung und grundlegender Umgestaltung“ hat es in sich, insbesondere weil er vermuten lässt, dass die Etablierung digitaler Dienstleistungen ohne adäquate Inklusion dazu führt, dass digitalgeförderte Gesundheit zum „Luxus Einzelner“ wird. Über die Europäische Region der WHO wird geschrieben, dass „Millionen Menschen in der ganzen Region nach wie vor nicht in der Lage sind, von digitalen Gesundheitstechnologien zu profitieren“, besonders ältere Mitglieder der Gesellschaft.

Drei Ideen für mehr digitale Inklusion

Der Anfang September 2023 vorgestellte Bericht stellt den aktuellen Stand der digital health literacy auf dem Kontinent und darüber hinaus vor, aber die Forschenden geben den Verantwortungsträger:innen in den Mitgliedsstaaten auch Empfehlungen an die Hand: 1. Jeder Haushalt und jede Gemeinschaft sollte über einen kostengünstigen und zuverlässigen Internetanschluss an digitale Dienste angebunden sein können; 2. Die Sicherheit von Gesundheitsdaten muss gewährleistet werden; und 3. Digitale Gesundheitstools wie die ePA muss auch in anderen Ländern genutzt werden können, also interoperabel sein. Da Datenschutzaspekte – besonders in medizinischer Sicht – in Europa bereits wichtige Aspekte darstellen und die Nutzungsrate von Onlinediensten auf einem hohen Niveau ist, starten die Staaten dieser Weltregion bereits mit einem Vorsprung. WHO-Regionaldirektor Dr. Kluge fasst es wie folgt zusammen: „Die Europäische Region kann – und sollte – eine Führungsrolle im Bereich der digitalen Gesundheit einnehmen.“

Bereits im September 2022 stellte das WHO-Regionalbüro einen Aktionsplan vor. Der bis 2030 ausgelegte Leitplan schlägt viele Punkte vor, die die Staaten in den nächsten etwa fünf Jahren umzusetzen hätten. Besonders betont wird dabei die patient:innenzentrierte Ausrichtung von digitalen Gesundheitsanwendungen. Notwendig seien daher auch integrierte Lösungen und Ansätze für die Gesundheitsversorgung. Zum Bau und zur Aufrechterhaltung digitaler Ökosysteme gelte es, natürlich für eine solide Finanzierung und Infrastruktur zu sorgen, aber auch personelle, organisatorische und kulturelle Ressourcen müssen vorhanden sein und ausgebaut werden.

Der lange Weg ist bereits eingeschlagen

Die Etablierung des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) wird sicherlich dazu beitragen, dass die nationalen Gesundheitssysteme digital fitter werden, aber gleichzeitig müssen die digitalen Tools wie die ePA – bislang ja ein Opt-In-System – auch so nutzungsfreundlich gestaltet werden, dass der Mehrwert sofort ersichtlich werden. Wie in meinem früheren ePA-Test zu lesen ist, bedarf es noch einiger technischen Verbesserungen und Feedbackschleifen mit Ärzt:innen, Patient:innen und Vertreter:inenn von Krankenkassen, bis die elektronische Form der medizinischen Historie auf dem Bildschirm aus Überzeugung angenommen wird.

Es schlummert millionenfaches Potential in der Schaffung einer neuen digitalen Inklusion – die Gesundheit vieler Menschen könnte davon profitieren.

tl;dr – In Kürze:

  • Ein WHO-Bericht legt fehlende digitale Gesundheitskompetenzen in der Europäischen Region der WHO offen.
  • Von Millionen Betroffenen leiden besonders ältere Menschen unter fehlender digitaler Inklusion.
  • Ein Aktionsplan sieht vor, in den nächsten fünf Jahren konkrete Schritte einzuleiten oder noch stärker zu fördern, um mehr Menschen eine gute Gesundheitsversorgung auch auf digitalem Wege bieten zu können.

Autor: Nico Amiri, Assistenz der Geschäftsführung von Unboxing Healthcare

Weiterführende Literatur:

  • Weltgesundheitsorganisation – Europäische Region (2022) Aktionsplan zur Förderung der digitalen Gesundheit in der Europäischen Region der WHO (2023–2030). Abgerufen von: LINK
  • Weltgesundheitsorganisation – Europäische Region (2023) Bericht: Digitale Gesundheit in der Europäischen Region: der lange Weg zu Verpflichtung und grundlegender Umgestaltung. Abgerufen von: LINK

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