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Peter Laaks

Redaktion

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Deep Dive

Internetnutzung in Europa - Online oder Nonline?

Europaweit profitieren von der Digitalisierung des Gesundheitswesens sehr viele, aber nicht alle Menschen. Für eine inklusive Digitalisierung müssen konkrete Maßnahmen umgesetzt werden – und die europäischen Staaten sollten dazu voneinander lernen.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bietet europaweit große Chancen, bringt aber auch länderübergreifend eine Reihe von Herausforderungen mit sich: Die Speicherung und Übertragung sensibler Gesundheitsdaten erfordert strenge Sicherheitsmaßnahmen, um Datenschutzverletzungen zu verhindern und das Vertrauen der Nutzer:innen zu gewährleisten. Damit einher gehen komplexe ethische Fragen, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit persönlichen Gesundheitsdaten, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Verantwortlichkeit bei der Nutzung von Gesundheitstechnologien. Vor dem Hintergrund einer europaweiten und damit länderübergreifender Vernetzung ist die Integration verschiedener digitaler Systeme und Plattformen zur Erfassung und Austausch von Gesundheitsdaten eine große Herausforderung, da oft unterschiedliche Systeme und Standards verwendet werden.

„Durch den Austausch von Ideen, Erfahrungen und Best Practices zwischen europäischen Ländern können verschiedene kulturelle Perspektiven auf die Internetnutzung gewonnen werden“

Für die Patient:innen ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, von digitalen Angeboten im Gesundheitswesen zu profitieren. Erstens ermöglicht das Internet den Zugang zu einer Fülle von Gesundheitsinformationen. Menschen können über das Internet auf medizinische Ressourcen, Forschungsergebnisse, Behandlungsmöglichkeiten und vieles mehr zugreifen. Diese Informationen können dabei helfen, Gesundheitsentscheidungen zu treffen, Krankheiten zu verstehen und Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Die Macht des Digitalen

Zweitens erleichtert das Internet die Kommunikation zwischen Patient:innen und Gesundheitsdienstleistenden. Telemedizinische Dienste ermöglichen es den Hilfesuchenden, mit medizinischen Fachleuten in Kontakt zu treten, ohne physisch eine Praxis aufsuchen zu müssen. Dies kann besonders für Menschen in ländlichen Gebieten oder mit eingeschränkter Mobilität von Vorteil sein.
Drittens unterstützt das Internet die Verwaltung von Gesundheitsdaten. Elektronische Patientenakten und digitale Gesundheitsplattformen ermöglichen es den Patient:innen, ihre Gesundheitsdaten sicher zu speichern und mit verschiedenen Gesundheitsdienstleistern zu teilen. Dies fördert eine nahtlose und koordinierte Patientenversorgung.
Die Chancen beziehen sich dementsprechend auf den Einsatz von Informationstechnologien und digitalen Lösungen, um die Bereitstellung von Gesundheitsdiensten zu verbessern, die Effizienz zu steigern und die Patientenversorgung -gerade in ländlichen Regionen- zu optimieren. In einer zunehmend vernetzten Welt spielt das Internet eine entscheidende Rolle bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Eine breite Internetnutzung in der Bevölkerung ist allerdings Voraussetzung für den Erfolg digitaler Gesundheitslösungen.

Die Exklusivität des Digitalen

Im Durchschnitt sind in Europa etwa 6 Prozent der Menschen zwischen 16 und 74 Jahre noch nie im Internet gewesen. Es gibt allerdings zwischen den Ländern sehr große Unterschiede. Skandinavische Länder wie Dänemark, Norwegen und Schweden zeichnen sich durch eine hohe Affinität zum Internet aus. In diesen Ländern liegt der Anteil der Personen, die noch nie online gewesen sind, unter einem Prozent. In Deutschland liegt der Wert bei 5 Prozent, während Nachbarländer wie die Niederlande oder Luxemburg besser aufgestellt sind. Hier liegt der Anteilswert ebenfalls unter einem Prozent.

Dr. Peter Enste

Dr. Peter Enste | Direktor des Forschungsschwerpunktes Gesundheitswirtschaft & Lebensqualität Institut Arbeit und Technik | LinkedIn | Foto: privat

Deutlich höher fallen die Werte allerdings für andere Länder aus. In Kroatien sind in der genannten Altersgruppe fast 14 Prozent niemals online gewesen, in Bulgarien liegt der Anteil bei 12 Prozent. Deutlich höher fallen die Werte allerdings für andere Länder aus. In Kroatien sind in der genannten Altersgruppe fast 14 Prozent niemals online gewesen, in Bulgarien liegt der Anteil bei 12 Prozent.

Diese Zahlen zeigen, dass nicht alle Menschen in Europa gleichermaßen Zugang zu digitalen Gesundheitsdiensten und Technologien haben und somit auch nicht von einem digitalisierten Gesundheitswesen profitieren können. Dies kann bestehende Ungleichheiten im Gesundheitssystem verstärken, wenn beispielsweise ältere Menschen oder Personen mit geringem Einkommen keinen Zugang zu digitalen Lösungen haben oder eben nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen. Die Verbesserung der Internetnutzung in Europa erfordert eine Kombination aus unterschiedlichen Maßnahmen. Zum einen erfordert es umfangreiche Infrastrukturinvestitionen, um den Ausbau von Breitband- und 5G-Netzwerken in ländlichen Gebieten und Regionen mit schlechter Internetverbindung sicherzustellen, sodass alle Menschen Zugang zu schnellem und zuverlässigem Internet haben. Zum anderen zählt die Förderung der digitalen Bildung zu einer zentralen Aufgabe. Investitionen in Programme zur digitalen Bildung für Menschen jeden Alters sind notwendig, um ihre Fähigkeiten im Umgang mit dem Internet zu verbessern, einschließlich Schulungen zur Internetnutzung, Online-Sicherheit und Datenschutz.

In Europa voneinander lernen

Der europäische Austausch bietet zahlreiche Chancen zur Förderung der Internetnutzung in der Bevölkerung. Durch den Austausch von Ideen, Erfahrungen und Best Practices zwischen europäischen Ländern können verschiedene kulturelle Perspektiven auf die Internetnutzung gewonnen werden. Dies kann dazu beitragen, Barrieren zu überwinden, die Menschen daran hindern, das Internet zu nutzen, und die Akzeptanz und Nutzung des Internets fördern. Zudem kann der Austausch von Bildungsmaterialien, Lehrmethoden und digitalen Lernressourcen zwischen europäischen Ländern dazu beitragen, die digitale Kompetenz der Bevölkerung zu verbessern. Durch die Zusammenarbeit auf politischer Ebene können europäische Länder gemeinsame Standards und Richtlinien für die Internetnutzung entwickeln. Dies alles kann dazu beitragen, ein sicheres und vertrauenswürdiges Online-Umfeld zu schaffen.
Insgesamt bietet der europäische Austausch eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Internetnutzung der Bevölkerung zu fördern und die EU zu einer führenden Akteurin in der „digitalen gesunden Welt“ zu machen.

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