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Essentials

Peter Laaks

Redaktion

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Deep Dive

In Vielfalt geeint

In diesem Beitrag nehme ich dich mit und beschreibe dir einen Arbeitstag im Leben eines Beraters, der auf europäischer Ebene unterwegs ist. Wie man eine sichere und effiziente Arzneimitteltherapie in deutschen Krankenhäusern schafft.

Was für eine Art Arbeit steht an? Derzeit begleite ich eine Krankenhausapotheke bei der digitalen Transformation. Nun, eigentlich ist es ein Prozess der organisatorischen Transformation, der die Digitalisierung nutzt.

„Immer wieder werde ich von Fachkräften im Gesundheitswesen überrascht, die sich mit Leidenschaft und Ausdauer der guten Sache widmen“

Früh am Morgen packe ich meinen Rollkoffer, meine Laptoptasche und eine gute Tasse Kaffee in meinen wiederverwendbaren Thermobecher – nicht zu vergessen sind ein paar grundsolide Podcasts in meiner Hörliste, um die ersten Stunden im Auto zu überstehen. Auto? Kein Zug?! Nennen wir es eine multimodale Reise, um früh über die Grenze zu kommen. So früh (vor sechs Uhr) gibt es noch keinen Zug von den Niederlanden nach Deutschland, wie ich im niederländischen Reisenavigator gesehen habe. Das bedeutet also, dass ich erst ab Duisburg ein bisschen nachhaltig unterwegs sein kann. Ab dann kann ich auch meinen Laptop aufklappen und mich an die Arbeit machen. Diese umwerfend guten Podcasts, zum Beispiel über europäische Zusammenarbeit, Veränderungen im Gesundheitswesen und innovative Unternehmen, habe ich zum Glück als Inspiration in meinem Gehirn gespeichert. Ich werde nicht alle meine Erfahrungen (oder besser gesagt Sorgen) über schlecht funktionierende Buchungssysteme, lausiges Wi-Fi, fehlendes 5G, verpasste Verbindungen und so weiter mit euch teilen. Aber ich denke, ihr wisst, wovon ich spreche.

„Wird das noch klappen?“

In diesem persönlichen Bericht gibt es eine ganze Reihe von Stichworten, die mir auch in meinem Arbeitsalltag begegnen. Denk zum Beispiel an nicht aufeinander abgestimmte Logistikprozesse, die optimierungsbedürftige Zusammenarbeit zwischen Fachkräften im Gesundheitswesen oder die schlechte Interoperabilität zwischen IT-Systemen. Man könnte sich fast fragen: Wird das noch klappen? Zum Glück ist aber nicht alles schlecht und düster. Immer wieder werde ich von Fachkräften im Gesundheitswesen überrascht, die sich mit Leidenschaft und Ausdauer der guten Sache widmen. Und ich sehe es als meine Aufgabe an, ihnen dabei zu helfen, ihnen mit Wort und Tat beiseitezustehen und das Beste aus sich und ihrer Organisation herauszuholen. Ich habe mich immer mehr auf die Krankenhausapotheke und noch genauer auf das, was wir Closed Loop Medication Management (CLMM) nennen, spezialisiert. Ich habe noch keine gute und griffige deutsche Übersetzung für CLMM gefunden, aber ich beschreibe in diesem Artikel die europäische Zusammenarbeit, also fühle ich mich berufen, bei dem englischen Begriff zu bleiben.

CLMM definiere ich als einen automatisierten Prozess, bei der ein:e Patient:in das richtige Medikament zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosierung und auf dem richtigen Weg einnimmt beziehungsweise es verabreicht wird. Dieses System integriert mehrere Schritte im Medikationsprozess: die Verordnung durch die Ärztin oder den Arzt, die Überwachung der Medikationstherapie durch die Apotheke, die Vorbereitung einer (personalisierten) Therapie durch diese, den logistischen Versand an die zu behandelnde Person, die Verabreichung und Dokumentation durch die Pflege sowie auch die Überwachung des medikamentösen Zustands. Der Closed Loop sorgt für eine sichere und effiziente Medikationstherapie, minimiert Fehler und verbessert die Patient:innenversorgung.

Meine Anleitung fürs Gelingen

Wie ihr schon sehen könnt, sind das viele verschiedene Schritte, die durchlaufen werden und an denen viele Akteur:innen beteiligt sind. Und wenn man außerdem davon ausgeht, dass es sich um mehrere IT-Systeme handelt, die miteinander kommunizieren (müssten), kann man sich vorstellen, dass ein hundertprozentiges CLMM kein Selbstläufer ist. Für die Fachkräfte des Gesundheitswesens ist die Einführung eines solchen neuen Systems etwas, was im Leben wohl nicht sehr oft passiert – daher lohnt es sich sehr, das Rad nicht neu zu erfinden, sondern von anderen zu lernen. Deshalb beschreibe ich im Folgenden fünf Formen der Zusammenarbeit (auf europäischer Ebene), um das CLMM Wirklichkeit werden zu lassen.

Skalierung der Zusammenarbeit
Patrick von Oirschot

Patrick van Oirschot | Geschäftsführer GPP Support B.V. | Selbstständiger Berater | LinkedIn | Foto: privat

  1. Auf Projektebene

Auf dieser grundlegenden Ebene werden die Erkenntnisse von Projektleitenden in einer Organisation ausgetauscht. Jene bringen ihre Erfahrungen und Kompetenzen aus früheren Projekten und der Anwendung von Wissen in diesen ein.

  1. Auf der Ebene des Netzwerks

Über die Projektebene hinaus erweitern wir aktiv das Wissen und die Erfahrungen von Fachleuten außerhalb der Organisation, indem wir Beziehungen und Gleichgesinnte einbinden. Dazu organisieren wir Videotreffen, Besuche vor Ort, Rundtischgespräche und Workshops.

  1. Auf grenzübergreifender Ebene

Wir fügen hier eine weitere Ebene hinzu, indem wir die Kontakte über nationale (oder Branchen-)Grenzen hinweg ausweiten. Denk an Nutzerorganisationen (zum Beispiel von Zulieferer:innen) oder „zufällige“ grenzüberschreitende Kooperationen von Organisationen.

  1. Auf struktureller europäischer Ebene

Jetzt kommen die Gewerkschaftsverbände der Länder ins Spiel, die Erfahrungen über nationale Grenzen hinweg austauschen, indem sie Expert:innen auf Konferenzen eine Bühne bieten.

  1. Auf der Ebene der europäischen Standards

Hier schließen sich die nationalen Verbände zu einem europäischen Netzwerk zusammen und es werden politische Richtlinien und Erklärungen von Special Interest Groups festgelegt sowie Schulungen auf europäischer Ebene harmonisiert.

So sieht es in der Praxis aus

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um die Asclepius-Initiative vorzustellen. Asclepius hat sich zum Ziel gesetzt, zur Entwicklung und Anwendung sicherer, zuverlässiger, innovativer und effizienter Methoden für die Beschaffung, die Konzeption, Lieferung, Lagerung und Verabreichung personalisierter Arzneimitteltherapien an Krankenhauspatient:innen in ganz Europa beizutragen.

Gegründet haben die Initiative Patrick Koch aus Belgien, Francine de Stoppelaar aus dem Vereinigten Königreich und ich aus den Niederlanden – allesamt mit CLMM-Expertise. Jeder von uns hat seinen eigenen Hintergrund, seine eigenen Kompetenzen und Erfahrungen. Da wir aus Belgien, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden kommen und in den unterschiedlichsten europäischen Ländern arbeiten, könnte man Asclepius als Initiative der „Stufe 3“ einstufen. Aber unser Anspruch liegt darin, sich strukturell zusammenzuschließen, die verschiedenen Länderverbände einzubeziehen und europäische Standards zu schaffen, kurz gesagt: Die „Stufen 4 und 5“ sind in Sicht.

Agilität in unserer Praxis bedeutet, dass wir darauf achten, uns nicht zu sehr in strukturellem Denken zu verzetteln. Das unterscheidet uns wohl von dem Bild, das man von großen europäischen Institutionen hat!

Unsere Gründungspartner

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