06.06.2024

Das chinesische KI-Krankenhaus: Eine Blaupause für Europa?

China hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) gemacht, insbesondere im Gesundheitswesen. Ein Paradebeispiel dafür ist das KI-gestützte Krankenhaus, das als Modell für die Zukunft der Medizin dient. Diese hochmoderne Einrichtung nutzt fortschrittliche Algorithmen und Technologien, um Diagnosen zu stellen, Behandlungen vorzuschlagen und den gesamten Patientenfluss zu optimieren.

Das chinesische KI-Krankenhaus soll mit einer Vielzahl von Technologien ausgestattet sein. Mögliche Szenarien: Roboter und automatisierte Systeme übernehmen Routineaufgaben wie Blutentnahmen und die Verabreichung von Medikamenten. Intelligente Diagnosegeräte, die mit KI betrieben werden, analysieren Röntgenbilder, MRTs und andere medizinische Daten schneller und präziser als menschliche Ärzt:innen. Patientenakten werden digital verwaltet und durch maschinelles Lernen verbessert, um personalisierte Behandlungspläne zu erstellen. Zudem gibt es virtuelle Gesundheitsassistenten, die rund um die Uhr verfügbar sind und Patient:innen bei der Verwaltung ihrer Gesundheitsdaten unterstützen.

Der chinesische Ansatz basiert stark auf der umfangreichen Nutzung und Integration von Daten. Dies ermöglicht es, Muster und Trends in großen Patientendatenbanken zu erkennen und individuelle Behandlungen zu optimieren. Auch Telemedizin spielt eine große Rolle, da sie es Patient:innen ermöglicht, über weite Entfernungen hinweg qualitativ hochwertige medizinische Beratung zu erhalten.

Warum der chinesische Ansatz in Europa scheitern könnte

Trotz der beeindruckenden Fortschritte in China gibt es mehrere Gründe, warum dieser Ansatz in Europa wahrscheinlich scheitern würde. Ein Hauptgrund ist der Datenschutz. Europäische Länder haben strenge Datenschutzgesetze, wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die den Umgang mit persönlichen Daten stark regulieren. Die umfangreiche Datennutzung, die in chinesischen KI-Krankenhäusern üblich ist, würde in Europa auf erhebliche rechtliche und ethische Hürden stoßen. Zudem unterscheiden sich die Gesundheitsinfrastrukturen und politischen Rahmenbedingungen zwischen China und Europa erheblich. 

Das chinesische Gesundheitswesen ist stark zentralisiert, was die Implementierung neuer Technologien erleichtert. In Europa hingegen sind Gesundheitssysteme oft dezentralisiert und fragmentiert, was eine einheitliche Einführung von KI-Technologien erschwert.

Ein weiteres Hindernis ist die kulturelle Akzeptanz: In Europa gibt es eine größere Skepsis gegenüber Technologien, die menschliche Aufgaben übernehmen, insbesondere im Gesundheitswesen. Das Vertrauen der Patient:innen in die traditionelle Ärzt:innen-Patient:innen-Beziehungen könnte durch eine zu starke Automatisierung beeinträchtigt werden.

Aber wie könnte ein europäisches KI-Krankenhaus aussehen?

Ein europäisches KI-Krankenhaus müsste daher anders konzipiert sein. Der Schwerpunkt würde auf dem Schutz der Patientendaten und der Einhaltung strenger Datenschutzbestimmungen liegen. KI-Systeme könnten genutzt werden, um Ärzt:innen zu unterstützen, anstatt sie zu ersetzen. Zum Beispiel könnten sie bei der Analyse von medizinischen Daten und der Erstellung von Diagnosen helfen, wobei ein:e menschliche:r Ärzt:in die endgültige Entscheidung trifft.

Telemedizin könnte ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, jedoch unter strikter Einhaltung der Datenschutzrichtlinien. Roboter könnten unterstützende Aufgaben übernehmen, aber immer unter der Aufsicht von medizinischem Personal. Der Fokus würde auf der Verbesserung der Effizienz und Genauigkeit von Behandlungen liegen, ohne die menschliche Komponente der Pflege zu vernachlässigen.

Mein Fazit

Das chinesische KI-Krankenhaus verbindet beeindruckende technologische Fortschritte zu einem ganzheitlich neu gedachten Ansatz der Patientenversorgung von morgen auf. In Europa jedoch würde der konsequente Einsatz neuer Technologie auf erhebliche Herausforderungen stoßen. Um hier erfolgreich zu sein, müsste ein europäisches KI-Krankenhaus einen ausgewogenen Ansatz verfolgen, der sowohl technologische Innovation als auch ethische und rechtliche Standards berücksichtigt.

Autor: Björn Zeien, Founder & Co-CEO Unboxing Healthcare

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