06.02.2024

3 Herausforderungen, vor denen die deutsche Apothekenbranche steht

Die Apothekenlandschaft steht, wie auch andere Sektoren in der Gesundheitsbranche, vor umfassenden Veränderungen und zahlreichen Herausforderungen: Von diesen stellt Nico Amiri drei Bereiche vor. Wie steht es um Digitalisierung, Regulatorik und Kostendruck bei den bundesweit rund 18.000 Apotheken?

Neben akuten Problemen wie weiterhin bestehenden Lieferengpässen beschäftigen viele Herausforderungen Apotheken und ihre Beschäftigten. An einem bundesweit ausgerufenen Streiktag im vergangenen Juni beteiligten sich 86 Prozent der Apotheken: In den Forderungen der Streikenden klangen Themen wie ein hohes Maß an Bürokratie und die Honorierung der Apotheken an. Im Folgenden geht es um diese und weitere Themen.

1. Digitalisierung:

Die Vorteile und Errungenschaften unserer digitalisierten Infrastruktur stehen außer Frage. Im besten Falle hat der technologische Fortschritt zur Folge, dass kein Mehraufwand entsteht, sondern es zu einer Entlastung des Personals kommt. Im Zuge der gesetzgeberisch vorgegebenen flächendeckenden Einführung des E-Rezepts berichteten zahlreiche Apotheken von Problemen bei bestimmten Rezeptsignaturen durch die Praxen und damit verbundenen Schwierigkeiten der Übermittlung in die Apotheken. Nicht selten waren Patient:innen schneller vor Ort als das Rezept. In solchen Fällen ist medizinisches Personal in den Praxen gefragt: Mit Komfort- statt Stapelsignatur beispielsweise kann der Arbeitsablauf reibungsloser verlaufen.

Auch der Aufstieg von rein onlinebasierten Apotheken hat ihren Einfluss auf ihre ortsgebundenen Pendants ausgeübt – und tun es weiterhin. Kund:innen, die ihre rezeptfreien Medikamente online bestellen, werden dies vor primär wegen des Preisvorteils und der Bequemlichkeit tun – oder eben auch, wenn keine stationäre Apotheke in der näheren Umgebung ist. Mittlerweile haben aber bereits 15 Prozent der öffentlichen Apotheken eine Zulassung als Versandapotheke. Solche hybriden Akteure ergänzen den Vorteil der Beratungsmöglichkeit in Apotheken vor Ort mit dem Faktor der Ortsungebundenheit. Diesen Faktor hat der fortlaufende Digitalisierungsprozess ermöglicht.

2. Regulatorik:

Die Digitalisierung und die Gesundheitsbranche sind beides Bereiche, die sich schnell entwickeln. In der Gesundheitsbranche gibt es viele Veränderungen, einschließlich strenger gesetzlicher Vorschriften zum Schutz sensibler medizinischer Informationen.

Diese Branche ist komplex, und die regulatorischen Anforderungen können sehr detailliert sein. Daher ist ein gewisses Maß an Vorwissen für eine angemessene Interpretation notwendig. Ein Beispiel dafür ist die EU-Vorschrift, dass Rezepte im gesamten Unionsgebiet eingelöst werden können. Obwohl dies eher selten vorkommt, ist es hilfreich, darüber Bescheid zu wissen. Es ist nicht zu erwarten, dass alle rechtlichen Vorschriften bis ins kleinste Detail bekannt sind. Aber genau wie andere Unternehmen entwickeln sich auch Apotheken ständig weiter. Dies beinhaltet einerseits, dass sie sich kontinuierlich über neue Änderungen informieren, und andererseits, dass sie bereit sind, ihre Prozesse und Praktiken entsprechend anzupassen.

3. Kostendruck:

Die erstgenannte Herausforderung, die Digitalisierung, ist sowohl anfangs als auch im laufenden Betrieb nicht ohne Kosten. Hardware und Software müssen erworben und installiert werden, für die IT-Kompetenzen der Belegschaft Sorge getragen werden. Neben den Sachkosten sind es zudem die gestiegenen Energiekosten und die Personalkosten, die die Apotheker:innenschaft umtreiben. Politisch gefordert werden daher auch höhere Pauschalvergütungen.

Wie auch andere Akteure im Gesundheitswesen müssen Apotheken nachhaltig wirtschaften, auch sie stehen unter einem Leistungsdruck unter Marktbedingungen. Es ist eine wirtschaftlich angespannte Lage vieler Vor-Ort-Apotheken, mit einem sich hinzugesellendem Personalmangel, der viele Inhaber:innen von Apotheken zu Schließungen veranlasste. Alleine von 2020 bis 2022 schlossen mehr als 1.000 Apotheken.

Eine von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplante Reform des Apothekenmarktes ist für den Herbst dieses Jahres geplant und zielt auf dessen Liberalisierung ab. Neben einer Strategie für Fachkräftesicherung soll es auch um eine Reform der Apothekenvergütung und Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen.

tl;dr – In Kürze:

  • Neben akuten Problemen stehen Apotheken vor weiteren Herausforderungen ihrer Branche.
  • Digitalisierung, Regulatorik und der Kostendruck sind Herausforderungen im Berufsalltag von Apotheker:innen.
  • Der Schließung von weiteren Filialen und der Abwanderung von Fachkräften möchte das Bundesgesundheitsministerium entgegenwirken.

Autor: Nico Amiri, Assistenz der Geschäftsführung von Unboxing Healthcare

Weiterführende Literatur:

  • BVDVA (2023) Daten und Fakten. Abgerufen von: LINK
  • Heidenreich, N., Kunze, R. (2024) Großes Chaos in Praxen und Apotheken – E-Rezept bereitet Probleme. Frankfurter Rundschau. Abgerufen von: LINK
  • Müller, A. (2023) Lauterbach plant Apotheken-Reform bis Herbst 2024. Pharmazeutische Zeitung. Abgerufen von: LINK
  • Trautmann, L. (2023) Warum streiken die Apotheken? Stuttgarter Zeitung. Abgerufen von: LINK

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